Bis auf weiteres Choreo- und Spruchband-Verbot. Oder auch: Sippenhaft 2.0

16. Oktober 2011

Eigentlich wollte die NBU zum heutigen Spiel gegen den HSV auf der Nordtribüne eine kleine – an die Mannschaft gerichtete – Choreographie durchführen. Ja, eigentlich. Denn laut Fankoordinator Michael Weber sind bis auf Weiteres keine derartigen Aktionen (Spruchbänder etc.) mehr seitens des Vereins erlaubt.
Was war geschehen? Beim Heimspiel gegen Gladbach wurden zwei Spruchbänder zur aktuellen Stadionthematik von der WJF gezeigt, welche sich für den aktuellen Standort (d.h. Umbau), und damit gegen einen Neubau, aussprechen. Diese Spruchbänder wurden im Vorfeld nicht beim Verein angemeldet, sondern ganz normal durch die Einlasskontrollen hineingebracht.
Dies stieß seitens des Vereins auf nicht allzu viel Gegenliebe. Laut Michael Weber ging es dem Verein hierbei jedoch nicht um den Inhalt der Spruchbänder selbst, sondern alleinig um die Tatsache, dass diese nicht im Vorfeld beim Verein angemeldet wurden.
Erwähnenswert ist hierbei die Tatsache, dass diese Spruchbänder jedoch nicht von der NBU stammen; umso erstaunlicher liest sich dann nämlich die Begründung des oben genannten Choreo-Verbots seitens Michael Weber:
Dass die NBU nach der Erlaubnis, eine Choreo durchzuführen, anfrage, sei zwar lobenswert (und damit auch richtig), da dies andere beim Gladbach-Spiel mit den oben erwähnten Spruchbändern jedoch nicht getan haben, wird bis auf Weiteres alles verboten.
Ob diese Haltung nun von Professionalität und Differenzierungsvermögen zeugt, soll am besten jeder für sich selbst beurteilen.

Zu den Spruchbändern vom besagten Gladbach-Spiel sei noch folgendes erwähnt:
Nicht wenige Spruchbänder wurden in der Vergangenheit ebenfalls nicht offiziell angemeldet, sondern oftmals (spontan) mit ins Stadion genommen.
Seitens des Vereins bzw. dem Fankoordinator wird zwar betont, dass es nicht um den Inhalt an sich ging, sondern „lediglich“ um die Tatsache, dass diese nicht angemeldet wurden. Doch ist äußerst fragwürdig, ob dem tatsächlich so ist. Ein unangemeldetes Spruchband, welches sich z.B. dankend an die Mannschaft richtet, hätte mit Sicherheit nicht solche Verbote nach sich gezogen. Also muss es folgerichtig mit am (kritischen) Inhalt liegen, der bestimmt nicht im Sinne aller Vereinsvertreter ist.
Der Vorwurf, dass die für die Spruchbänder verantwortliche WJF sich einer Diskussion zum Stadionthema entzieht, ist völlig aus der Luft gegriffen – ein Austausch der Argumente findet regelmäßig auch mit den verschiedensten Vereinsvertretern statt. Es wird also keinem kritischen Dialog aus dem Weg gegangen. Hinzu kommt die ständige Kommunikation der Bedenken gegenüber einem Stadionneubau im WJF-eigenen Stadionflyer.

Für eine lebendige und vielfältige bunte Fanszene ist es wichtig sich mit bestimmten Themen kritisch auseinanderzusetzen, und dies z.B. in Form von Transparenten auch zu äußern. Dass hiermit nicht immer die Meinung aller im Stadion anwesenden Zuschauer reflektiert wird, ist klar, doch hat eben jeder die Möglichkeit seine eigene Meinung ebenfalls, z.B. mit Spruchbändern, zu äußern. Dies scheint jedoch sowohl vom Fankoordinator als auch vom Verein so nicht gewünscht zu sein. Es scheint, als ob man sich ausschließlich positive unkritische Aktionen wünscht, um ein schönes einheitliches Friede-Freude-Eierkuchen-Bild zu erzeugen; alles andere wird als störend empfunden. Unserer Meinung nach gibt dies aber nicht das Bild der SC-Fanszene wieder. Denn diese ist schon seit jeher von den verschiedensten Strömungen und Meinungsbildern geprägt, welche sich immer wieder kontrovers und kritisch mit vielen Dingen auseinander gesetzt hat. Und das ist etwas, worauf man als SC-Fan tatsächlich stolz sein kann. Zumindest wir sind es.

Natural Born Ultras und Wilde Jungs Freiburg


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