Kommentar: Was hat die Polizei da gestern wortwörtlich geritten?

3. Mai 2015

PolizeipferdeErst dieses merkwürdige Schreiben von der Polizeibehörde der Stadt Freiburg, dann dieses martialische Auftreten am gestrigen Spieltag: Unzählige Kastenwagen, Polizeihundestaffel, sowie die Polizeikavallerie, die eigens für dieses „Hochrisikospiel“ gegen Paderborn aus Mannheim angekarrt wurde! Da fehlte eigentlich nur noch der Helikopter, der wird vermutlich jedoch zur wahren Verbrechensbekämpfung gebraucht worden sein.
Es bleibt die Frage nach dem warum?
Geht man davon aus, dass die Ermittlungsgruppe SKB (Szenekundige Beamte) ihre Arbeit richtig gemacht hat, so konnte für das gestrige Spiel mit Sicherheit keine besondere Rivalität zwischen den beiden Fanszenen ausgemacht werden, die einen derartigen Polizeieinsatz auch nur im Ansatz rechtfertigen würde. Aber vielleicht wussten diverse Damen und Herren wieder einmal mehr als wir?! Es gibt ja genügend Datenbanken, aus denen sich obskure Statistiken erstellen lassen.
Dass die Freiburger Fanszene kriminalisiert wird, ist uns schon länger bekannt, aber in welchem Ausmaß das nun fabriziert wird, ist wirklich beängstigend.
Da sich die Straftatbestände im Umfeld von Fußballspielen in Freiburg für gewöhnlich in Grenzen halten, wird nun einfach die Polizeibehörde der Stadt missbraucht, um böse formulierte Briefe zu verschicken. Minutiös und in feinstem Beamtendeutsch wird dabei jede Kleingkeit aufgelistet, die im letzten halben Jahr auf dem Hin- und Rückweg zum/vom Stadion passiert sind, bzw. passiert sein könnten. Darüberhinaus werden den „Anführern“ polizeirechtliche Maßnahmen angedroht, sofern sich im Verhalten der Fans keine Veränderungen zeigen. Dass solche Schreiben, auf Anordnung der Polizei, durch Ämter ohne eigene Prüfung des Sachverhalts und ohne eigene Stellungnahme einfach an die betreffenden Personen oder Stellen weitergesendet werden, ist heute, zumindest bei den Behörden in Freiburg, leider üblich.
Dass das Amt für Öffentliche Ordnung dabei nicht zum ersten Mal mit Unwissen glänzt, sorgt nicht nur in unseren Reihen für Unverständnis. So konnte man sich bei diversen Telefonaten, bzw. persönlichen Vorsprachen vom (Un-)Wissen der Sachbearbeiter/innen überzeugen.
Der Arbeitsaufwand, ohne Kenntnis über den Sachverhalt ein eigenes Schreiben zu verfassen, ist natürlich ziemlich hoch und so die Verlockung groß, einfach alles unter den eigenen Briefkopf zu kopieren, was die Polizei vorgibt. Und warum auch eine Behauptung der Polizei hinterfragen?! Hat diese doch immer Recht?! Allerdings darf man von den  Sachbearbeiter/innen des Ordnungsamtes wohl auch nicht allzu viel erwarten, besteht deren Kerngeschäft doch gewöhnlich im versenden von Blitzerfotos.
Wie können es die Freibuger Ultras auch wagen, auf einer an Spieltagen für den Fahrzeugverkehr sowieso gesperrten Straße zu laufen?
Und wenn sie anstatt auf der Straße auf dem eigentlich dafür gebauten Rad- und Fußweg laufen, dann blockieren sie diesen für anderen Fußgänger und Radfahrer, die natürlich mehr Rechte besitzen, diese öffentlichen Wege zu benutzen, als die Fußballfans.
Ja, diese Erkenntnis mussten auch wir erst einmal sacken lassen..
Wir fragen uns, wie sollen wir eigentlich zum Stadion kommen, ohne irgendwelche Straßen, Fuß- oder Radwege zu benutzen? Wir würden ja gerne reiten, dann würde es auch tatsächlich Sinn machen, unzählige Pferde von Mannheim nach Freiburg zu fahren oder die Polizei stellt uns ihren Hubschrauber zur Verfügung, der ja offensichtlich nicht zur Gefahrenabwehr uns gegenüber ebenötigt wird.
Wieso wir jetzt einen von der Polizei vorgeschriebenen Weg laufen müssen. können wir nicht verstehen. So wurde noch beim Heimspiel gegen Köln vom Freiburger Einsatzleiter persönlich die Aussage „ihr könnt heute langlaufen wo ihr wollt“ gemacht. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich die komplette Kölner Fanszene im PTSV Biergarten auf, was der Freiburger Polizei wohl entgangen sein muss, achtet sie doch normalerweise auf strikte Fantrennung. Hier könnte man auf die Idee kommen, dass es in unregelmäßigen Abständen  Auseinandersetzungen geben muss, um für das folgende Jahr die eigenen Großeinsätze bei Fußballspielen zu rechfertigen.
Da die Maßnahmen der Freiburger Polizei aus unseren Reihen immer wieder kritisiert wurden und werden, wird von dieser gegen die aktive Fanszene ein Rachefeldzug per Polizeigesetz (Verwaltungsrecht) geführt, wie man auch schon bei den Meldeauflagen und Betretungsverboten sehen konnte. Dies natürlich alles im Sinne der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.
Was es gestern zu sichern galt, bleibt immer noch ein Geheimnis der Polizei.
Für uns bedeuten diese Maßnahmen einen schweren Einschnitt in unsere Grundrechte. Dies werden wir nicht tatenlos hinnehmen und werden daher auch in Zukunft unsere Wege gehen, wie wir sie gehen wollen!

 

Natural Born Ultras im Mai 2015