Position zu bevorstehenden Geisterspielen

29. April 2020

Vor über sieben Wochen ist der letzte Pfiff im Dreisamstadion ertönt. Seit diesem Zeitpunkt ruht der Ball und die für manche wichtigste Neben- oder auch Hauptsache wurde geradezu unbedeutend.

Die Auswirkungen der Pandemie haben zu Einschränkungen in unserem gesellschaftlichen Leben, teilweise zu existenzbedrohenden und wirtschaftlichen Nöten und nicht zuletzt auch zur Sorge um die Gesundheit der Menschen, die uns Nahe stehen, geführt.

Für Fußball war und ist in dieser Situation kaum Platz. Und auch jetzt führt die immer wahrscheinlicher werdende Wiederaufnahme des Spielbetriebes zu keiner Freude. Kein aktiver Fußballfan kann von sich behaupten, dass er Spiele gerne im TV und dann auch noch ohne Fans im Stadion verfolgt. Das ist schlimmer als Stadion-, Stadtverbot und Meldeauflagen zusammen. Wie kann man so etwas auch nur im Geringsten tolerieren?

Auf lange Sicht sind Geisterspiele und die dadurch erzielte Finanzspritze durch TV-Gelder dennoch die kleineren Übel, die den Fußball in dieser Krise treffen. Die zweifelsohne durch viele Vereine selbst herbeigeführte Notlage, muss Konsequenzen in den jeweiligen Vereinen für die dort verantwortlichen Personen haben. Dies darf aber nicht dazu führen, dass die Clubs ihre Liquiditätslücke am freien Kapitalmarkt schließen. Vereine finanzieren sich eben nicht wie andere Unternehmen des Mittelstandes über Eigenkapital und Banken. Auch in normalen Zeiten führt dies zu einer Schwäche die zu abenteuerlichen Finanzierungsmodellen führt. Nun führt dies unweigerlich zur Aufnahme von externen Geldgebern und Investoren.

Soll man den jahrelangen Kampf für 50+1 gegen die steigende Kommerzialisierung und Ausverkauf der Seele der wenigen übrig gebliebenen „eingetragenen Vereine“ einfach so aufgeben? Wo wird das benötigte Geld zum Überleben aufgetrieben, sobald dem Premiumprodukt Bundesliga das letzte Geld ausgeht? Dem Fall von 50+1 und dem Ausverkauf des letzten Stückes Seele steht nichts mehr im Wege.

Entscheidend für die Hinnahme der Geisterspiele ist, dass derzeit überhaupt nicht absehbar ist, wann überhaupt wieder Spiele mit Zuschauern möglich sind. Die Politik bemüht sich derzeit darum, der Bevölkerung, durch diverse Lockerungen der allgemeinen Einschränkungen, eine Wende zum Guten zu suggerieren. Ein Ende der Pandemie und die Rückkehr zur vollständigen Normalität und zu Rückgewinnung unserer Freiheit ist derzeit zeitlich jedoch nicht absehbar.

Selbst einem gut und nachhaltig geführten Verein wie dem Unseren, steht nach absehbarer Zeit ohne Einnahmen das Ende bevor. Anderen deutlich früher. Es müssen daher neue Regelungen und Leitplanken gefunden werden, die den Fußball auch durch künftige Krisen führen.

Wir fordern den SC Freiburg auf Konzepte und Maßnahmen zu erarbeiten, um mögliche Zahlungsschwierigkeiten des eigenen Vereins zu verhindern. Gleichzeitig muss der Verein seinen Einfluss bei der DFL geltend machen um auch dort Veränderungen herbeizuführen, um eine solche Lage zukünftig zu verhindern. Lizenzierungsauflagen und die Verteilung von TV Geldern sind daher neu zu regeln:

  •  50+1 muss erhalten bleiben; auch die Aufnahme von stillen Gesellschaftern oder stillen Beteiligungen muss ausgeschlossen werden
  • Teile der TV-Einnahmen muss die Liga zurückbehalten und nicht an die Vereine weitergeben. Die gebildeten Rücklagen müssen im Krisenfall gerecht verteilt werden.
  • Die Verpfändung von künftigen TV Einnahmen über eine Saison hinaus muss unterbunden werden.
  • Gehaltsobergrenzen Europaweit, für Spieler und Funktionäre
  • Veröffentlichung von Jahresabschlüssen aller Liga-Vereine unabhängig ihrer Rechtsform und Größe gem. den Bestimmungen für große Kapitalgesellschaften nach HGB und AktG
  • Financial Fairplay darf nicht länger nur auf dem Papier stehen, sondern muss von Verbänden und Vereinen ernstgenommen, gelebt und überwacht werden.
  • Korruption muss aktiv bekämpft und sowohl in der der Zukunft, als auch die Vergangenheit lückenlos aufgedeckt werden.

Wir arrangieren uns schweren Herzens mit Geisterspielen, wenn auch DFB, Liga und Vereine Konzepte vorlegen, die gesellschaftliche Verantwortung, nachhaltigeres Wirtschaften und einen solidarischen Umgang mit unterklassigen Vereinen erkennen lassen. Jetzt ist die Zeit gekommen, den Fußball zu retten und gleichzeitig neu auszurichten, auch wenn der Weg dorthin eine lange Durststrecke bedeutet!

Der Sport-Club Freiburg e.V. darf nicht fallen, nur, weil wir Geisterspiele hassen. Manchmal ist der Weg zum Ziel nur durch den Biss in einen sauren Apfel zu erreichen. Nur wer gestärkt durch die Krise kommt, profitiert davon. Niemand will 36 Kapitalgesellschaften im Profisystem haben oder eine geschlossenes Ligensystem nach nordamerikanischem Vorbild.

Doch die Regeln sind klar: Geisterspiele müssen Geisterspiele sein… Pappfiguren im Stadion aufzustellen ist bescheuert. Fangesänge vom Band gehen gar nicht… Die Tribünen als zusätzliche Werbefläche zu benutzen: No-Go! Geisterspiele sind Fußballspiele ohne Zuschauer, so dass wirklich jedem bewusst wird – Fußball ist alles. Fußball ohne Fans ist nichts!